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Beschreibung

Der Trauer-Experte Martin Kreuels weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer der Verlust eines geliebten Menschens ist.

Martin reist durch die Lande und weist bei Lesungen und Vorträgen auf die großen Unterschiede in der Trauerarbeit von Frauen und Männern hin. Er weiß, wovon er redet. Seine Frau starb 2009 an Krebs. Der Biologe blieb mit den vier gemeinsamen Kindern zurück. Über seine Erfahrungen in dieser Zeit schreibt er in seinem Buch "Männer trauern anders". Gerade war Kreuels als Redner auf der Hamburger Hospizwoche zu erleben. Mit seinen Kindern lebt Kreuels im ostfriesischen Bunde. NDR.de hat mit ihm über das Phänomen Trauer gesprochen (Link: http://www.ndr.de/ratgeber/Maenner-trauern-einfach-anders,trauer258.html)

Sie sagen: Männer trauen anders. Inwiefern?

Martin Kreuels: Männer sprechen sehr wenig über ihre Trauer, sie fressen sie in sich hinein. Bei Frauen ist das ganz anders: Wenn man sie auf ihre Trauer anspricht, halten sie gleich einen Monolog. Sie können viel besser über ihre Gefühle reden.

Trauern Männer nicht so stark, beispielsweise beim Verlust eines Kindes?

Kreuels: Nein, das lässt sich so nicht sagen. Sie gehen mit ihrer Trauer einfach anders um. Frauen bleiben schon mal wochenlang im Bett liegen. Männer hingegen stürzen sich in die Arbeit oder in sportliche Aktivitäten wie Joggen und Radfahren. Oder sie gehen mit Kumpels öfter einen trinken. Das Problem dabei ist: Frauen verstehen das nicht, weil sie stets von ihrer Art der Trauer ausgehen. Und so kommt es schnell zu Vorwürfen in einer Beziehung. Denn beide Seiten bewerten die Trauer des anderen. Es verwundert daher nicht, dass rund 90 Prozent der Ehen nach dem Tod eines gemeinsamen Kindes geschieden werden.

Weinen Männer lieber heimlich?

Kreuels: Ja, denn Weinen ist für die meisten gleichbedeutend mit Schwäche zeigen. Viele trauernde Männer setzen sich einfach ins Auto, fahren durch die Gegend und weinen dann. Der Vorteil ist: Man wird dabei nicht gesehen. Auch ich habe das nach dem Tod meiner Frau so gemacht. Man kann im Auto seinen Frust herausschreien und so laut Musik hören, wie es einem passt. Das hat mir gut getan. Andererseits ist es so, dass sich Frauen gerade wünschen, dass sie den Mann auch mal weinen sehen. Das ist für sie der sichtbare Beweis, dass der Mann trauert.

Wenn in einer Familie die Mutter gestorben ist: Soll der Vater vor den Kindern den harten Kerl mimen?

Kreuels: Nein, es ist besser, gemeinsam mit den Kindern zu trauern. Der Vater sollte auch ruhig vor und mit den Kindern weinen. Es ist wichtig für die Kinder zu sehen, dass auch der Vater unter dem Verlust der Mutter - also seiner Partnerin - leidet.

Wie sind Sie nach dem Krebstod Ihrer Frau mit der Trauer umgegangen?

Träger schieben einen Sarg in einen Leichenwagen. © fotolia Fotograf: Robert HoetinkManche Männer brauchen Jahre, um einen Trauerfall in der Familie zu verarbeiten.
Kreuels: Das erste Jahr danach war eine Katastrophe. Ich habe sehr gelitten, auch körperlich. Ich habe stark abgenommen. Es war das reine Gefühlschaos, dem ich hoffnungslos ausgeliefert war. Ich habe mich in die Arbeit gestürzt. Im zweiten Jahr hatte ich dann eine neue Partnerin. Das hat mir in meiner Trauerarbeit sehr geholfen. Sie hat mehr Stabilität in das bestehende familiäre Gefüge gebracht.

Woher rührt das Phänomen, dass Männer anders trauern? Ist es eine Frage der Erziehung?

Kreuels: Ja, eindeutig. Jungs sollen von Anfang an mutig und stark sein. Dieses Bild wird ihnen eingeimpft. Aber auch die Evolution spielt mit hinein. Bei der Jagd waren die Männer auf sich gestellt, Gesprächigkeit war dabei nicht gefragt. Sonst hätte ja auch die Beute aufgeschreckt werden können. Auch später auf dem Acker waren die Männer allein, während die Frauen mit den Kindern für die Kommunikation in der Familie zuständig waren. Das Kommunikationsverhalten der Frau ist in der heutigen Gesellschaft auch deshalb anders, weil in der Urzeit bei der Frau mehrere Sprachzentren angelegt wurden, während es beim Mann nur eines gibt.

Das Gespräch führte Marc-Oliver Rehrmann von NDR.de - http://www.ndr.de/ratgeber/Maenner-trauern-einfach-anders,trauer258.html

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